Kryptowährung als Zahlungsmittel der Zukunft?

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Kryptowährungen sind zumindest zum Teil für den aktuell stattfindenden Umbruch an den internationalen Finanzmärkten verantwortlich. Die Einschätzungen über das Potenzial der digitalen Währungen gehen dabei weit auseinander. Während die Einen in ihnen die Zukunft des Bezahlens sehen, glauben andere hier eine gigantische Spekulationsblase zu erkennen. Die Marshall-Inseln planen als erster (und gleichzeitig fast kleinster) Staat weltweit, Kryptowährungen als gesetzliches Zahlungsmittel einzuführen. Andere Staaten wie zum Beispiel Südkorea oder Japan akzeptieren lediglich Bitcoin als Zahlungsmittel. Aber was ist der Unterschied zwischen einem akzeptierten und einem gesetzlichen Zahlungsmittel? Und haben Kryptowährungen wirklich das Potenzial, in Zukunft als Zahlungsmittel online und offline akzeptiert zu werden?

Allgemeines zu Kryptowährungen

Kryptowährungen sind digitale Währungen, die nicht von einer Zentralbank ausgegeben werden. Stattdessen ist die Basis dieser Währungen ein Peer-to-Peer Netzwerk. Charakteristisch für Kryptowährungen ist also der Verzicht auf eine regulierende Organisation (z.B. Zentralbank). Dementsprechend gibt es keinerlei Eingriffsmöglichkeiten durch eine übergeordnete Organisation. Der Wert der Kryptowährungen bestimmt sich lediglich aus Angebot und Nachfrage, da diese keinen offiziellen Gegenwert haben. Die ersten digitalen Münzen entstanden mit Bitcoin im Jahr 2009. Heute gibt es mehrere tausend Kryptowährungen. Neben dem Bitcoin sind mittlerweile Ethereum, Ripple und Litecoin besonders populär.

Im Regelfall kommt bei Kryptowährungen die sogenannte Blockchain-Technologie zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um eine Art Logbuch, wo aufgezeichnet wird, wem die jeweilige digitale Münze gehört. Die Kryptowährungen entstehen dabei durch das Berechnen sehr komplexer mathematischer Prozesse (sog. Mining).

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Anforderungen an ein gesetzliches Zahlungsmittel

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Aktuell hat noch kein Staat der Welt eine Kryptowährung als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt. Die Marshall-Inseln haben jedoch erst im Juli 2018 bekannt gegeben, dass sie genau das planen. Doch was ist überhaupt ein gesetzliches Zahlungsmittel? Laut Deutscher Bundesbank bezeichnet man unter einem gesetzlichen Zahlungsmittel „das Zahlungsmittel, das niemand zur Erfüllung einer Geldforderung ablehnen kann, ohne rechtliche Nachteile zu erleiden“. Das bedeutet, dass jede Privatperson und jeder Händler ein gesetzlich anerkanntes Zahlungsmittel akzeptieren muss. Im Euroraum ist dabei Euro-Bargeld das einzige gesetzliche Zahlungsmittel. Ausschließlich die Zentralbanken sind dazu befugt, dieses Zahlungsmittel in den Umlauf zu bringen. Während Euro-Münzen nur beschränkt als gesetzliches Zahlungsmittel gelten (niemand muss mehr als 50 Münzen annehmen), handelt es sich bei Euro-Banknoten um das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel.

Zum aktuellen Zeitpunkt bleibt die Einführung von Kryptowährungen wie dem Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel im Euro-Raum daher eine weit entfernte Vision. Schließlich hätte dieser Schritt zur Folge, dass jeder uneingeschränkt Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren müsste.

Unterscheidung zwischen gesetzlichem und akzeptiertem Zahlungsmittel

Neben dem gesetzlichen Zahlungsmittel gibt es darüber hinaus den Begriff des akzeptierten Zahlungsmittels. So gilt etwa der Bitcoin in Südkorea, Japan und auch auf den Philippinen als legales, also akzeptiertes Zahlungsmittel. Das bedeutet aber nur, dass es erlaubt ist, die Digitalwährung Bitcoin für den Zahlungsverkehr zu benutzen. Da es sich hier jedoch nicht um ein gesetzliches Zahlungsmittel handelt, muss kein Händler die Bitcoin-Zahlung akzeptieren.

Der Status als akzeptiertes Zahlungsmittel hat insbesondere eine strenge behördliche Regulierung zur Folge. So müssen sich etwa Börsen und Finanzdienstleister in diesem Fall wie bei anderen Währungen an staatliche Regularien halten. In Japan zum Beispiel gilt Bitcoin bereits seit dem 1. April 2017 als akzeptiertes Zahlungsmittel. Seither müssen jedoch auch Bestimmungen zur Cybersicherung, zum Grundkapital sowie die Anti-Geldwäsche-Gesetze und der „Know Your Customer“- Grundsatz (KYC) eingehalten werden.

Es gibt jedoch auch einige Länder, in denen Kryptowährungen illegal sind. Dazu gehören Bangladesch, Ecuador, Bolivien, Katar und Kirgistan.

Marshall-Inseln wollen Kryptowährung noch 2018 als gesetzliches Zahlungsmittel einführen

Die Republik Marshall-Inseln ist ein Inselstaat im mittleren Ozeanien. Mit nur knapp über 50.000 Einwohnern gehören die Marshall-Inseln zu den kleinsten Staaten weltweit. Der Inselstaat hat kürzlich bekannt gegeben, dass man als erster Staat einer Kryptowährung dem Status des gesetzlichen Zahlungsmittels verleihen will – und zwar schon im dritten Quartal 2018. Unter dem Namen „SOV“ will man über einen sogenannten Initial Coin Offering (ICO) eine eigene Kryptowährung herausbringen. Um eine Inflation zu verhindern, haben Regierungsvertreter mitgeteilt, dass höchstens 24 Millionen virtuelle SOV-Münzen an den Markt gebracht werden sollen. Bei der Digitalwährung des Inselstaates, der zwischen Australien und den USA liegt, soll ähnlich wie beim Bitcoin-Vorbild die bekannte Blockchain-Technologie zum Einsatz kommen. Um die Token der Marshall-Inseln zu erwerben, muss sich der Anleger gegenüber der Regierung legitimieren. Ebenfalls werden die Wallets mit einem Identitäts-Token verknüpft. Damit will man den Missbrauch von Kryptowährungen, etwa für Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung, verhindern.

Die Marshall-Inseln sind nicht das erste Land, das mit einer staatlichen Kryptowährung bei internationalen Investoren Geld einsammelt. Erst kürzlich versuchte das wirtschaftlich angeschlagene Venezuela, mit der eigenen Digitalwährung „Petro“ Gelder zu akquirieren. Nach Angaben der dortigen Regierung ist die Kryptowährung mit je einem Barrel, also mit 159 Liter Rohöl-Reserven, besichert.

Da die Marshall-Inseln gesamtwirtschaftlich jedoch unbedeutsam sind, kann vom großen Durchbruch der Kryptowährungen als (gesetzliches) Zahlungsmittel hier noch nicht die Rede sein.

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Haben Kryptowährungen auch in Deutschland das Potenzial zum Zahlungsmittel?

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Weder in Deutschland noch in der EU sind Kryptowährungen derzeit reguliert. Dementsprechend handelt es sich weder beim Bitcoin noch bei anderen Digitalwährungen hierzulande um ein akzeptiertes oder gar gesetzliches Zahlungsmittel. Die EU-Kommission plant jedoch, zumindest die Bitcoin-Regulierung voranzutreiben. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) teilte beispielsweise kürzlich mit „Was vielleicht ursprünglich als alternatives Zahlungssystem ohne staatliche Beteiligung gedacht war, ist inzwischen zu einer Mischung aus Finanzblase, Schneeballsystem und Umweltkatastrophe geworden“. Der Ruf nach einer konsequenten und härteren Regulierung der Kryptowährungen wird also lauter. Das EU-Parlament beschloss erst im April 2018 eine neue Richtlinie gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Nach diesem Entwurf sollen die Betreiber von Krypto-Wechselstuben in die Pflicht genommen werden, die Identität der Nutzer (inklusive Wallet-Adressen) zentral zu speichern. Das Ziel besteht darin, die Netzwerkteilnehmer aus ihrer Anonymität herauszuholen.

Schon jetzt akzeptieren einige Online-Händler Kryptowährungen (meist Bitcoin) als Zahlungsmittel. Dazu gehören zum Beispiel die Reiseplattform Expedia, die japanische Airline Peach, der Online-Einzelhändler Rakuten sowie die Online-Plattform Wikipedia. Zudem gibt es schon seit längerer Zeit Gerüchte darüber, dass auch der Versandriese Amazon bald Kryptowährungen als Zahlungsmittel akzeptieren könnte. Bislang fehlt es aber auch bei vielen Verbrauchern in Deutschland noch am notwendigen Vertrauen in die Digitalwährungen.

Des Weiteren haben sich mittlerweile auch viele Händler wie zum Beispiel die Spieleplattform Stream und Microsoft wieder davon distanziert, Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Warum? Ganz einfach: Aufgrund der hohen Kursschwankungen ist es für die Unternehmen kaum möglich, ihre Einnahmen zuverlässig zu kalkulieren.

Transaktionskosten und -geschwindigkeit als Contra-Argumente?

Damit sich Kryptowährungen als Zahlungsmittel flächendeckend etablieren können, ist unter anderem eine hohe Transaktionsgeschwindigkeit von großer Bedeutung. Leider scheint sich hier (noch) eine große Schwäche vieler Kryptowährungen aufzutun. So sind bei Bitcoin zum Beispiel aktuell nur 7 Transaktionen pro Sekunde möglich (nach Segwit2x: 9,6 pro Sekunde). Auch andere Digitalwährungen wie Ethereum oder Bitcoin Cash schaffen aktuell nur 20 bzw. 92 Transaktionen pro Sekunde. Zum Vergleich: Der E-Wallet-Anbieter PayPal kommt auf bis zu 450 Transaktionen pro Sekunde; die VISA-Kreditkarte sogar auf bis zu 56.000 Transaktionen pro Sekunde. Der Transfer von Kryptogeld dauert nur deshalb so lange, weil jede Transaktion vom Netzwerk (Blockchain) überprüft und die Zahlung entsprechend validiert werden muss. Dieser Vorgang kann mehrere Minuten oder sogar mehrere Stunden dauern – für eine Bezahlung im Einzelhandel also sicherlich noch zu lange. Es ist jedoch anzumerken, dass die Transaktionsgeschwindigkeit bei Kryptowährungen immer weiter optimiert wird.

Ein weiterer entscheidender Faktor dafür, ob Kryptowährungen als Zahlungsmittel akzeptiert werden, sind die anfallenden Transaktionskosten. Diese unterscheiden sich abhängig von der gewählten Digitalwährung. Bei einer Bitcoin-Transaktion werden aktuell 30 Satoshis pro Byte als Gebühr berechnet. Im Durchschnitt werden für eine durchschnittliche Transaktion 225 Bytes benötigt. Das bedeutet, dass die Transaktionsgebühr im Schnitt etwa 6.750 Satoshi beträgt. Aktuell entspricht 1 Satoshi = 0,00000001 BTC. Dementsprechend beträgt die Transaktionsgebühr 0,0000675 BTC. Die Transaktionsgebühren werden unter anderem erhoben, um die sinnlose Überweisung von Kleinstbeträgen und damit eine Überlastung (sog. Denial-of-Service-Angriffe) zu vermeiden. Die Erhebung von Transaktionsgebühren ist natürlich nicht attraktiv, wenn es Kryptowährungen wie der Bitcoin schaffen wollen, in Zukunft als Zahlungsmittel durchzustarten.

Surftipp: Leistungsfähigkeiten und Transaktionskosten bei Kryptowährungen

Gesamtfazit

Den meisten Staaten sind Kryptowährungen derzeit noch ein Dorn im Auge. Schließlich hat der Staat hier keinen Einfluss auf die Geldmenge, was die Gefahr einer Inflation oder Deflation mit sich bringt. Des Weiteren ist über Kryptowährungen zumeist noch eine anonyme Zahlungsabwicklung möglich, was das Hinterziehen von Steuern begünstigt. Dennoch wird zumindest der Bitcoin von vielen Anbietern als Zahlungsmittel akzeptiert. Die verhältnismäßig lange Transaktionsdauer sowie die entstehenden Transaktionsgebühren sind jedoch eindeutige Argumente gegen den Einsatz der digitalen Münzen als Zahlungsmittel. Da die Zahlungsmengen beim Bitcoin und anderen Digitalwährungen zum aktuellen Zeitpunkt jedoch verhältnismäßig gering sind, werden Kryptowährungen in den meisten Ländern (noch) toleriert. Zwar versuchen die Marshall-Inseln jedoch derzeit, ihre eigene Kryptowährung als gesetzliches Zahlungsmittel aufzusetzen. Dennoch ist nicht damit zu rechnen, dass wirtschaftlich bedeutsame Nationen hier in absehbarer Zeit nachziehen werden. Der Ruf nach einer strengen Regulierung von Kryptowährungen wird jedoch insbesondere im europäischen Raum immer lauter – nicht zuletzt wegen der großen Gefahren von Bitcoin und Co.

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