Zahlungsdienstleister (Payment Service Provider)

Erfolgsfaktor Zahlung – die Dienste der Payment Service Provider

Ware gegen Geld. So definiert sich Handel bereits seit Jahrhunderten: als einfaches Tauschgeschäft. Im Internetzeitalter wird daraus ein kompliziertes Unterfangen. Nicht nur die Ware, sondern auch das Geld muss schnell von A nach B transferiert werden. Dass inzwischen dutzende Optionen für die Zahlungsabwicklung zur Wahl stehen, macht es Händlern nicht leichter. Entweder sie befassen sich intensiv mit Thematik oder sie laufen Gefahr, dass Warenkörbe leer bleiben. Denn auch bei der Zahlung sind Kunden wählerisch. Als hilfreich erweisen sich sogenannte Payment Service Provider (PSP) (dt. Zahlungsdienstleister), die dem Onlinehandel die Arbeit mit der Zahlung abnehmen.

Geld regiert auch online die Welt

Um Erfolg im Onlinegeschäft zu haben, muss alles passen. Preis, Qualität und Service sind die Säulen, auf die sich die meisten Händler konzentrieren. Sie übersehen dabei den zweiten Teil der Definition von Handel: das Geld.

Horst Rüter von der Geschäftsleitung des EHI Retail Institute in Köln kennt das Problem: „Gerade Betreiber kleiner Webshops sehen die Frage der Zahlungsabwicklung eher als Nebensache an.“*) Das kann gut gehen. In der Regel führt ein unkoordiniertes Zahlungsmanagement jedoch zu Problemen. Spätestens, wenn eine Bestellung abgebrochen wird, weil dem Kunden die angebotenen Verfahren zur Zahlung nicht gefallen. So schnell kann man potenzielle Kunden verlieren. Das schadet dem Umsatz und nicht zuletzt dem Ansehen des Shops.

Die Probleme des Onlinehandels

Dahinter stehen gleich mehrere Probleme:

  • Der Markt für Zahlungen bei Internetgeschäften wird durch neue Dienstleister zunehmend unübersichtlicher.
  • Der Handel scheut sich, bestimmte Zahlungsmethoden anzubieten, weil sie unsicher sind.
  • Kunden bestellen nur, wenn sie die Ware nach ihren Vorstellungen bezahlen können.

Zunächst einmal hat sich der Zahlungsverkehr im Internet spürbar verändert. Neben der Kreditkarte, dem Lastschriftverfahren, der Rechnung und Vorkasse haben sich längst auch Dienste wie Paypal oder Sofortüberweisung und Guthabensysteme wie paysafecard durchgesetzt. Das multipliziert mit einer Vielzahl von Anbietern ergibt einen Wust an Zahlungsoptionen. Da verliert man schnell den Überblick.

Surftipp: B2B - Mobile Payment am POS

Während Händler jene Möglichkeiten bevorzugen, bei denen sie ihr Geld im Voraus erhalten, möchten Kunden die Ware erst sehen und dann bezahlen. Laut einer Studie des EHI Retail Institute setzten im Jahr 2014 daher knapp 28 Prozent der Verbraucher auf die Rechnung. 21,8 Prozent bezahlten per Lastschrift, 20,2 Prozent per Paypal, 10,8 Prozent per Kreditkarte und 6,6 Prozent per Vorkasse. Die Rechnung hat ihren Anteil sogar ausbauen können. 2013 lag er noch bei 25,5 Prozent. Für den Handel birgt die Rechnung allerdings das Risiko, dass der Kunde nicht zahlt. Es sei denn, man schaltet eine Bonitätsprüfung zwischen, was wiederum mit Arbeit und Kosten verbunden ist. Ganz auf die Rechnungszahlung zu verzichten hieße auf anderen Seite, Kunden ziehen zu lassen. Ein Dilemma.

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Immer mehr Unternehmen erweitern ihr Zahlungsarten-Portfolio, um den Kundenansprüchen gerecht zu werden und möglichst alle Wünsche abzudecken. Aktuell bieten die Webhändler rund 6 (zwischen 5,1 und 5,5) Bezahlverfahren an. In den nächsten Jahren sollen zwei weitere hinzukommen. Über die Hälfte der Shop-Betreiber haben in den letzten 24 Monaten ihr Portfolio ausgebaut. Unter den am meisten hinzugefügten Zahlungsarten befinden sich die Rechnung und Paypal, welche sich steigender Beliebtheit beim Kunden erfreuen.

Abbruchquoten in Abhängigkeit des Zahlungsverfahrensportfolios

Je mehr Zahlungsverfahren der Online-Shop hat, desto besser! Denn mit zunehmender Anzahl an verschiedenen Zahlungsverfahren sinkt tendenziell die Kaufabbruchquote. Demzufolge liegt die Abbruchquote bei einem Online-Shop, welcher nur Vorkasse anbietet bei 88 Prozent. Je mehr Bezahlverfahren hinzukommen, desto niedriger wird die Abbruchquote. Mit den gängigen sechs Bezahlverfahren (Vorkasse, PayPal, Rechnung, Kreditkarte, Sofortüberweisung und Lastschrift) werden bereits 99 Prozent abgedeckt. Lediglich 1 Prozent aller Kunden verlangt ein anderes, als eines der sechs genannten, Zahlverfahren, wie zum Beispiel per Nachnahme.

 
Kaufabbrüche in Onlineshops nach angebotenen Zahlungsarten

Einschätzung der Verbraucher zum mobile Payment

 
Wie Verbraucher die Entwicklung mobiler Zahlungen einschätzen

Welche Zahlungsarten im eCommerce-Handel integriert werden

 

Integration von Zahlungsarten seit 2015

Mehr Zahlungsoptionen bedeuten mehr Umsatz

Um den Ansprüchen möglichst aller Interessenten gerecht zu werden – zumindest im Hinblick auf die Zahlungsabwicklung – sollten also mehrere Optionen angeboten werden. Experten raten deshalb zu mindestens vier bis fünf Wegen, auf denen der Kunde bezahlen kann. Studien belegen, dass dadurch die Zahl der Kaufabbrüche deutlich reduziert wird.

Das ist einfacher gesagt als getan. Für jeden Zahlungsweg muss üblicherweise ein Vertrag mit dem entsprechenden Anbieter abgeschlossen werden. Hinzu kommen die Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, insbesondere sicherheitstechnischer Natur. Daraus resultiert ein enormer Verwaltungsaufwand, dem sich viele Händler nicht gewachsen fühlen. Für sie ist es deutlich einfacher, einen Dienstleister zu beauftragten. Hier kommen die Payment Service Provider ins Spiel.

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Über 55 Mrd. Euro Umsatz im deutschen Weihnachtsgeschäft 2016

Laut Payment-Studie 2016 gaben die Deutschen zum letzten Weihnachten so viel Geld aus, wie nie zuvor. Nicht nur im stationären Handel (41,32 Mrd. Euro), sondern auch im Online-Handel befinden sich die Umsätze auf einem neuen Rekordhoch (14,3 Mrd. Euro).

Für die über ein Drittel Online-Shopper steht vor allem die Bequemlichkeit bei der Zahlung im Vordergrund. Dies bestätigt sich aufgrund der Daten, dass 32,8 Prozent per Lastschrift und 32,1 Prozent mit Wallets (z.B. PayPal) bezahlt haben. Im stationären Handel war, wie auch schon im Jahr zuvor, die Girocard mit einem Anteil von 77,9 Prozent das beliebteste Kartenzahlungsmittel.

Im stationären Handel wurde traditionell der größte Umsatz an den Adventssamstagen und in der letzten Woche vor Heilig Abend generiert. Im Vergleich dazu lieferte der Online-Handel in der gesamten Vorweihnachtszeit gleichermaßen konstante Werte. Lediglich zwei Tage stechen besonders heraus: der Black Friday (Schnäppchenangebote zum Start ins Weihnachtsshopping) und der Cyber Monday. Dabei blieb der Cyber Monday (12.12.2016) mit 374 Mio. Euro der umsatzstärkste Tag für den Online-Handel.

Als letzte Erkenntnis der Payment Studie ist die Geschlechterverteilung beim Weihnachts-Online-Shopping auffällig. Das weibliche Geschlecht lag mit 58,3 Prozent Online-Shopper-Anteil deutlich über dem der Männer. Somit ließen sich im letzten Jahr eher die Frauen von den Vorteilen des Online-Shoppings überzeugen und suchten ihre Geschenke im Internet aus. Dafür lag der durchschnittliche Bestellwert der Frauen mit 62,25 Euro unter dem der Männer (74,19 Euro), welche bei ihren Einkäufen etwas spendabler waren.

Anteile der Zahlungsarten am Umsatz im Weihnachtsgeschäft 2016

Was leistet ein Zahlungsdienstleister?

Zahlungsdienstleister oder Payment Service Provider (kurz PSP)  bilden die Schnittstelle zwischen Kunde und Shop, sobald es ans Bezahlen geht. Der Händler ist damit weitgehend außen vor und muss sich selbst nicht mehr um die Abwicklung kümmern. Verbraucher bekommen davon nur wenig mit. Entsprechend unbekannt sind die meisten Zahlungsdienstleister bzw. Zahlungsserviceanbieter. Und das, obwohl sie jährlich Zahlungsvolumen im zweistelligen Milliardenbereich abwickeln.

Die Unternehmen kooperieren dazu mit den gängigen Zahlungsdiensten, zum Beispiel den Kreditkartenfirmen. Das teils weltweit. Daraus ergeben sich mehr oder weniger umfangreiche Listen, aus denen sich Händler alle Optionen heraussuchen können, die für Ihr Geschäft infrage kommen. Implementiert werden die Zahlungsweisen direkt in den vorhandenen Shop. Dazu stellen die Zahlungsdienstleister Tools, Module und teils bebilderte Anleitungen zur Verfügung.

Für Händler ist das ein einfacher Weg, ihr Zahlungsportfolio stetig anzupassen. Dafür zahlen sie allerdings auch. Die Kosten setzen sich aus mehreren Bausteinen zusammen, die von Zahlungsdienstleister zu Zahlungsdienstleister variieren.

  • Einrichtungsgebühr: Fällt einmalig an, teils abhängig von der Zahl der gewählten Zahlungsoptionen.
  • Monatspauschale: Sie umfasst die Bereitstellungs- und die Grundgebühr, bisweilen auch ein Freikontingent an Transaktionen.
  • Transaktionsgebühren: Viele Anbieter verlangen einen festen Betrag plus einen prozentualen Anteil des Rechnungsbetrags. Das hängt von der Zahlungsweise und dem Vertrag ab.
  • Stornogebühr: Sie wird berechnet, sollte eine Transaktion storniert werden.

Bieten Zahlungsdienstleister ausreichend Sicherheit?

Für Kunden und Händler gleichermaßen wichtig ist die Sicherheit der Transaktionen. Auch hier wissen die Zahlungsdienstleister zu überzeugen. Zum einen werden sämtliche Daten verschlüsselt übermittelt – was zu den gängigen Standards und den gesetzlichen Vorgaben im Onlinehandel gehört. Dadurch ist es Kriminellen nahezu unmöglich, Zugriff auf Zahlungsdetails, Zugangs- oder Kartendaten zu erhalten.

Zum anderen haben die meisten Zahlungsdienstleister – schon aus eigenem Interesse heraus – Methoden zur Betrugsprävention und zur Bonitätsprüfung erarbeitet. Dazu greifen sie mitunter auf vorhandene Datenbanken wie die von der Schufa zurück. Dadurch werden je nach Anbieter gleich mehrere Risiken von vornherein ausgemerzt. Angefangen bei Bestellungen mit gestohlenen Kreditkartendaten bis zu Zahlungsproblemen beim Rechnungskauf. Abhängig vom System werden bestimmten Kunden daher nicht alle Zahlungsoptionen angezeigt. Das mag vielleicht die eine oder andere Bestellung kosten, spart aber auch viel Ärger.

onlinepayment sicherheit vs bedienbarkeit

Die Vorteile der Zahlungsdienstleister

Sich für einen Zahlungsdienstleister zu entscheiden, statt sich in Eigenregie um die Zahlungen und Zahlungsoptionen zu kümmern, hat gleich mehrer Vorteile:

  • Der Aufwand, mehrere Zahlungsmöglichkeiten zu implementieren, ist sehr gering.
  • Die Zahlungsabwicklung lässt sich problemlos in fast alle gängigen Shopsysteme integrieren.
  • Die Kosten sind überschaubar und dank unterschiedlicher Pakete sehr gut kalkulierbar.
  • Zusätzliche Dienste wie Betrugsprävention und Risikomanagement erleichtern die Arbeit und sorgen für weitgehend reibungslose Abläufe.
  • Der Zahlungsdienstleister kümmert sich darum, dass die hohen Sicherheitsanforderungen (wie die der Kreditkartenunternehmen) eingehalten werden.
  • Neue Zahlungsmethoden können jederzeit hinzu gebucht bzw. ergänzt werden.
  • Weniger Kaufabbrüche, weil Kunden auf dem von ihnen bevorzugten Weg zahlen können.

So finden Händler den perfekten Zahlungsdienstleister

Stellt sich die Frage, wie Händler angesichts der Vielzahl an Zahlungsdienstleister die richtige Wahl treffen. Dazu sollte man sich ein wenig Zeit nehmen und die Angebote in Ruhe vergleichen. Sofern angeboten lohnt es sich, einen Test-Account zu eröffnen, um sich ein erstes Bild zu machen. Generell ist es empfehlenswert, das persönliche Gespräch mit den Dienstleistern zu suchen. Auf diese Weise lassen sich Fragen deutlich einfacher klären und oft bessere Konditionen aushandeln. Das setzt voraus, dass man genau weiß, was man benötigt. Dazu gehört auch, die Zahlungsoptionen zu bestimmen, die im eigenen Shop zur Auswahl stehen sollen.

Hier einige Kriterien, auf die man bei der Wahl des Zahlungsdienstleisters achten sollte:

  • Welche Zahlungsmethoden werden angeboten?
  • Besteht die Möglichkeit, auch internationale Kunden zu bedienen?
  • Welche Gebührenmodelle gibt es?
  • Wann bzw. wie schnell werden die Beträge an den Händler ausgezahlt?
  • Bietet der PSP eine einfache Anbindung an das genutzte Shopsystem?
  • Gibt es ein Risikomanagement und was kostet es?
  • Wie steht es um den Support, wenn Probleme oder Fragen auftauchen?
  • Lassen sich wiederkehrende Zahlungen organisieren (Abonnements)?
  • Können auch Micropayments abgewickelt werden?

Übersicht – Zahlungsdienstleister auf dem deutschen Markt

Payment Service Provider - Überblick 2016

Immer mehr Händler bieten bargeldlose Zahlungen am PoS an

Immer mehr Händler setzen am Point of Sale (PoS) auf Kartenterminals und damit bargeldlose Zahlungen mittels Debitkarten (girocard) und Kreditkarte. Der nachfolgenden Statistik zur Anzahl der Kartenterminals im stationären Handel können interessierte Leser den deutlich sichtbaren Wachstumstrend entnehmen:

Quellen:

  • Statista.com

Kartenzahlung wird immer beliebter

Bis 2020 werden laut Prognose des EHI Retail Institute fast 50 Prozent des Umsatzes im Einzelhandel über Zahlungen mittels kartengestützter Zahlungssysteme abgewickelt werden:

Quellen:

  • EHI Retail Institute

Fazit: Zahlungsdienstleister machen vieles leichter

Als Händler auf allen Hochzeiten zu tanzen und sich selbst um jedes Details zu kümmern, ist lobenswert, aber nicht zwangsläufig effizient. Gerade bei der Zahlungsabwicklung entwickelt sich der Markt in einem Tempo, bei dem man schnell aus dem Sattel fällt oder wichtige Trends verpasst. Nicht zu vergessen die Sicherheit. Hier können Zahlungsdienstleister oder Payment Service Provider mit ihren Pfunden wuchern. Die Kosten dafür sind vermutlich deutlich geringer als die Verluste, die drohen, wenn man zu wenig auf die Kunden hört oder nicht up to date ist.

Quellen

*)Impulse, 07/2015, Seite 50
https://www.fuer-gruender.de/wissen/unternehmen-fuehren/e-commerce/payment-service-provider/
http://www.chip.de/artikel/Payment-Service-Dienstleister-fuer-Online-Bezahlverfahren_64614326.html
http://paymentandbanking.com/ecommerce-payment-dienstleister-fur-den-deutschen-markt-februar-2012/
http://www.fwpshop.org/shop-services/payment-service-provider
https://www.ehi.org/de/pressemitteilungen/rechnungskauf-baut-spitzenposition-aus/
https://https://www.it-finanzmagazin.de/payment-studie-2016-deutsche-gaben-zu-weihnachten-so-viel-geld-aus-wie-noch-nie-online-und-offline-42934//

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