Was deutsche Verbraucher von der „Stunde Null“ lernen können 

In Griechenland geht die Post ab in Sachen Geld. Das Land ist pleite, musste als erstes Industrieland überhaupt eine fällige Kreditrate an den Internationalen Währungsfonds (IWF) schuldig bleiben. Längst wurden die Bargeldabhebungen der Bürger in Griechenland an Bankautomaten stark limitiert. Die Auszahlungen, die möglich sind mit Bankkarten, EC-Karten und Kreditkarten, liegen bei nur 60 Euro am Tag. Eine weitere Reduzierung des ausgegebenen Bargelds ist jederzeit möglich.

Für die Rentner wurden wenige Tage lang die Banken geöffnet. Wer einen Teil seine Rente bar abheben muss, da keine Karte zum Geld abheben vorhanden ist, den hat es noch härter denn die anderen Bürger seines Landes getroffen. Er muss vor der Bank eine Nummer zum Warten ziehen und darf maximal 120 Euro für eine Woche abheben. Ob dieser Betrag nach unten reduziert wird, ist bislang offen.

Drachmen-Notenpressen zerstört – Bargeld bald ade in Griechenland?

Zwei Münzen der griechischen DrachmenEine Rückkehr zu ehemaligen griechischen Währung, der Drachme, ist zumindest hinsichtlich Bargeld derzeit ausgeschlossen. Wie der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis dem australischen Radiosender ABC gegenüber äußerte, wurden die Notenpressen für die Drachme im Jahr 2000 zerstört. Damit gebe es keine Kapazitäten mehr in Griechenland die Drachme auf Noten zu drucken. Dies stimmt natürlich bedenklich. Da ein mögliches Euro-Aus dann dafür sorgen würde, dass die Bürger dort kein Bargeld mehr zur Verfügung hätten.

Bargeldverbot in Griechenland als Blaupause für Europa?

Damit steht das Land vor der großen Frage: was tun im Falle eines Grexit? Wie sollen die Bürger dann in Zukunft bezahlen können innerhalb von Griechenland und ebenso im Ausland? Dies könnte im schlimmsten Falle zu einem Bargeldverbot in Griechenland führen. Wie – soweit denkt doch noch gar niemand? Das Thema Bargeldabschaffung ist seit November des vergangenen Jahres in vieler Ökonomen Munde.

Hätte jemand damals vor Zypern und der dortigen Zwangsabgabe auf Spareinlagen gedacht, dass so etwas möglich wäre in einem Land der Euro-Zone? Nein, viele hätten dies nicht kommen geglaubt. Dennoch kam der Tag, der einen Einschnitt für das Vertrauen der Sparer mit sich brachte. Nach wie vor gilt Zypern damit als Blaupause für die Erhebung von Vermögensabgaben. Der IWF hat bereits seit längerer Zeit entsprechende Pläne in der Schublade liegen. Wird die Lage in Europa drastischer, könnte dies ganz schnell kommen und die 10 Prozent Zwangsabgabe auf Kundeneinlagen ganz schnell umgesetzt werden. Griechenland könnte damit Zypern als Blaupause für Europa folgen: für ein kommendes, europaweites Bargeldverbot.

Noch mag dies nicht machbar sein. Doch wie Robert Halver Vorwort zum Buch „Bargeldverbot – Alles, was Sie über die kommende Bargeldabschaffung wissen müssen“ von Ulrich Horstmann und Gerald Mann schreibt, sind Visionen zunächst utopisch. Halvers Worte sollten bedenklich stimmen, auch die Bundesbürger: „In der (Geld-) Politik ist es doch immer dasselbe: Zunächst sind Visionen utopisch, undurchführbar, unmöglich, und am Ende logisch, selbstverständlich, alternativlos. Oder besser ausgedrückt: Was nicht passt, wird passend gemacht.“

Kapitalverkehrskontrollen verstören Bürger

Noch ist es nur eine Begrenzung des Bargelds. Doch die Bürger in Griechenland sind verständlicherweise verstört über die über Nacht eingeführten Kapitalverkehrskontrollen. Können sie doch nun nicht nur einen kleinen Maximalbetrag von ihrem Bankkonto abheben, sondern zugleich kein Geld mehr ins Ausland überweisen. Damit ist Griechenland gleichzeitig wirtschaftlich abgeschnitten, ist es doch nun denkbar schwerer geworden für Importe ins das Land zu liefern – wenn im Gegenzug dazu kein Geld fließt. Vor allem der Kauf von lebenswichtigen Medikamenten, die aus dem Ausland eingeführt werden müssen, ist damit kaum mehr möglich. Die Lage wird damit immer dramatischer. Ein Bürgerkrieg könnte im schlimmsten Falle die Folge sein.

Ein Ende der Kapitalverkehrskontrollen ist nicht in Sicht. Es könnte stattdessen noch viel schlimmer kommen für das griechische Volk. Noch mehr finanzielle Repressalien, noch mehr Einschränkung des Abhebens von Bargeld am Automaten, wie auch für Rentner am Bankschalter.

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Griechenland ist weit weg!?

Es mag nun genug Menschen geben, die sagen: das ist mir doch egal, ob die da in Griechenland noch Geld haben. Solange ich noch den Euro in der Tasche habe, ist alles gut. Ob die noch Geld pressen können oder von ihrem Gesetzgeber drangsaliert werden, das ist nicht meine Sache. Das ist doch weit weg von Deutschland und hat mit uns, außer unseren Steuergeldern, nicht wirklich was zu tun. Doch dies könnte zu einem großen Irrtum werden. Sollte Griechenland wirklich zur Blaupause werden bei der Abschaffung von Bargeld, wie bereits oben geschrieben, könnte es schneller gehen denn gedacht, dass auch bei uns die Ausgabe und das Nutzen von Bargeld eingeschränkt wird.

Dazu bedarf es nur einer Wirtschaftskrise, die früher oder später die Bundesrepublik erreichen wird. In ein paar Jahren oder wenigen Jahrzehnten, dies haben Konjunkturzyklen so an sich. Dann kommt es zu Einschränkungen bei der Ausgabe von Bargeld und dann gibt es eines Tages gar kein Bargeld mehr.

Info

Wie das gehen soll? Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Der Anfang könnte in einer Wirtschaftskrise mit Lebensmittelgutscheinen gemacht werden, deren Verwendung und Verbleib genauesten nachvollzogen werden kann. Ist der Mensch dann erst einmal daran gewöhnt, kein Bargeld mehr zu nutzen, können Papiergeld und Münzen eines Tages ganz vom freien Markt verschwinden. Den Befürwortern der Bargeldabschaffung wäre dies mehr als recht.

Entscheidung in Griechenland?

Bargeldabschaffung großes Thema in dieser Zeit

In den vergangenen Monaten haben wir uns mehrfach mit der Abschaffung von Bargeld befasst in unseren Artikeln. Durch die drastische Lage in Griechenland hat das Thema nun neue Munition bekommen. Würde doch reines Buchgeld die Lage an den Geldautomaten und das Schlange stehen vor den Banken vermeiden.

Der Bankenrun, wie es ihn in den letzten Monaten im Land gab: Milliarden von Euro wurden von Griechenland aus ins Ausland transferiert. Zudem begannen die Griechen, als bekannt wurde, dass die Banken wohl schließen werden, ihr Geld von den Banken abzuheben. Er könnte so abgewendet werden, dürfte zumindest die Ansicht der Bargeld-Kritiker sein.

All dies hatte und hat natürlich eine fatale Wirkung nach außen. Das Land ist bankrott, die Geldautomaten sind leer, die Banken liegen am Boden. Ein Ende ist momentan nicht in Sicht, die Welt schaut gespannt auf das sehr umstrittene Referendum zum Sparprogramm, das am Sonntag in Griechenland abgehalten wurde. Würde es kein Bargeld geben, sondern nur Buchgeld. Wären nur Kartenzahlungen und Zahlungen mit beispielsweise Lebensmittelmarken möglich, hätte es keinen Bankenrun geben können. Die Wirkung nach außen, auch an Investoren, wäre eine ganz andere gewesen.

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Dies bedeutet, dass in Zukunft vermutlich noch mehr Ökonomen und Bargeld-Kritiker denn je über die Abschaffung von Bargeld diskutieren und dies forcieren werden. Schon allein, weil so eine bessere Kontrolle des Geldflusses durch den Gesetzgeber möglich ist. Was ein immer wichtigeres Thema werden dürfte in den kommenden Jahren und Jahrzehnten.

Wichtig: Geld in barer Form bei Seite legen

Vor allem eines lehrt uns das Geschehen in Griechenland: Egal, wie gut es uns jetzt geht, Rücklagen in barer Form zu schaffen, ist wichtiger denn je. „Spare in der Zeit, so hast du in der Not“ , heißt es nicht ohne Grund in einem bekannten Sprichwort. Papiergeld beiseite zu legen und auch Geldmünzen, kann eine gute Vorsorge für spätere Zeiten darstellen.

Natürlich sind auch andere Vorsorgeformen wichtig. Doch viel zu schnell geht in den guten Jahren der Gedanke an schlechtere Zeiten verloren. Das Geld unter der Matratze oder im Wäscheschrank, es hat früher zum normalen Ton in Deutschland dazugehört. Selbst in den Jahren des Wirtschaftswunders.

Tipp

Nicht alles in früheren Jahrzehnten ist gut, das ist sicher. Aber die Vorsorge, die früher mit Bargeld in den bundesdeutschen Haushalten stattfand, war damals eine wichtige Sache. Wenn schon Retro, wie es seit einigen Jahren der Fall ist in Sachen Kleidung, Möbeln und Co., dann ist das auch beim Geld und dem Aufbau einer Rücklage für schlechte Zeiten eine sehr gute Idee.

Was bei der Hausratversicherung zu beachten ist

Bei Bargeldrücklagen gilt es, auf einiges zu achten. Wenn Rücklagen, dann nicht an Ecken und Ende, wo Einbrecher und Diebe am ehesten nachschauen würden. Die Bundesbürger sollten hierbei schon kreativer sein, wenn sie Papiergeld gesichert bei Seite legen wollen im eigenen Haus. Bei großen Mengen Bargeld empfiehlt sich ein kleinerer oder größerer Tresor. Zudem ist bei der Hausratversicherung zu beachten, dass Bargeld nur bis zu bestimmten Beträgen abgesichert und nach einem Einbruch oder Diebstahl zurückerstattet wird.

Hierfür sollte die Versicherungspolice zur Hausrat vor Abschluss möglichst gründlich durchgelesen werden. Damit der Versicherte auch wirklich den Versicherungsschutz erhält, den er für sich haben möchte und benötigt.

Bargeld in den Banksafe? 

Geschlossener BanktresoEine andere Möglichkeit, das zurückgelegte Bargeld zuhause zu lagern, ist der Banksafe. Doch dies ist nicht unbedingt immer eine gute Idee. Dies zeigte auch der Berliner Tunnelraub im Januar 2013, bei dem in einer Volksbank die Banksafes von fast 300 Kunden ausgeraubt wurden. Auch hier waren die Hausratversicherungen nur in einem begrenzten Rahmen bereit, eine Rückerstattung des gestohlenen Bargelds vorzunehmen. Eine betroffene Kundin hat zwischenzeitlich auf Rückerstattung durch die Bank geklagt, da die Hausratversicherung nur 10.000 Euro von 25.000 Euro vorgenommen hat. Das Verfahren soll im Oktober dieses Jahres vorgesetzt werden.

Deshalb ist es zu empfehlen, dass maximal die Summe in einen Banksafe als Bargeld abgelegt werden sollte, welche auch tatsächlich von der Hausratversicherung übernommen wird bei Diebstahl, Einbruch oder Vandalismus. Zudem ist das Schaffen von Rücklagen in einem Banksafe nicht die beste Möglichkeit. Wenn, wie in Griechenland geschehen, die Banken nicht geöffnet werden. Kommen Kunden selbst bei den besten Rücklagen nicht an ihr Geld.

Deshalb ist bei Bargeldrücklagen in Banksafes zu beachten, dass diese nur gut versichert erfolgen sollten und immer auch mit einem Fragezeichen versehen sind!

So oft mit EC-Karte oder Kreditkarte bezahlen wie möglich!

Haufen mit zahlreichen EuronotenUm nicht an das eigene, zurückgelegte Bargeld zu müssen. Ist es nicht nur in Griechenland selbst zu empfehlen, so oft wie möglich mit Karte zu bezahlen. Inzwischen wird für Zahlungen mit EC-Karte oder Kreditkarte bei den meisten Händlern und Dienstleistern kein Mindestbetrag mehr vorgegeben. Dies sollten auch die Bundesbürger nutzen und anstatt Bargeldzahlungen Zahlungen mit Karte vornehmen, wann immer dies möglich ist.

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Natürlich können jetzt Einwände kommen von wegen: Ja, aber was ist mit der Kontrolle der Kartenzahlungen. Ja, dies ist das eine. Aber das andere ist, lieber in Sachen Zahlungen mit Kreditkarte und EC-Karte einer gewissen Kontrolle unterworfen zu sein, und dafür noch selbst entscheiden zu können, wann man bar und wann man mit Karte bezahlt.

Als generell und überall mit Karte bezahlen zu müssen, weil es schlichtweg gar kein Bargeld mehr gibt. Auch wenn beides eher Themen von Verschwörungstheoretikern sein könnten, so ist doch der gesunde Menschenverstand der wichtigste Faktor, wenn es um das Geld geht. Oder sollte es zumindest sein.

Fazit

Griechenland und die „Stunde Null“. Deutschlands Lage sieht anders aus, ja. Doch deutsche Verbraucher können aus der gegenwärtigen Situation im Pleiteland einiges lernen. Wer rechtzeitig Geld zurücklegt und sich Bargeldreserven anschafft, der muss bei geschlossenen Banken und bei Einschränkung beim Abheben von Bargeld nicht gleich in Panik verfallen. Zu beachten ist dabei nur eines, was unter anderem Frankreich vorgemacht hat. Dort darf nur noch bis zu einem bestimmten Betrag mit Bargeld bezahlt werden. Wird eine solche Regelung irgendwann in Deutschland kommen und umgesetzt werden, könnte dies für die Kritiker des Bargelds bedeuten, dass Rücklagen in Papiergeld keinen Sinn machen. Macht es aber dennoch! Solange es möglich ist, mit Bargeld zu bezahlen, sind solche Bargeldreserven für private Haushalte, wie für Unternehmen übrigens auch, zu empfehlen.

Solange es Bargeld als Zahlungsmittel gibt, wird Bargeld als Rücklagen und zur Krisenvorsorge immer sinnvoll sein. Selbst wenn die Bargeld-Kritiker dies anders sehen und dagegen ankämpfen und weiter dagegen ankämpfen werden!

Forderung nach Obergrenze für Bargeldzahlungen in Deutschland

Dieser Artikel lag schon in der Korrekturschleife, als es wieder einmal polterte in Deutschlands Blätterwald. Der Finanzminister von Nordrhein-Westfalen lässt mitten in der Hitzewelle, in welcher die Verbraucher ihren Kopf sicher für was Anderes gebrauchen, harten Tobak vom Stapel.

Norbert Walter-Borjans fordert laut Medienberichten für das Bezahlen mit Bargeld eine Obergrenze. Damit springt Borjans genau in die Bresche, um die es für uns in diesem Artikel geht – und was deutsche Verbraucher aus der Situation in Griechenland lernen können. Der Finanzminister von NRW verweist bei seiner Forderung auf Italien, dort gebe es bereits die Obergrenze von 1.000 Euro für Bargeschäfte. In Frankreich soll ebenfalls eine weitere Herabsetzung der Grenze auf nur noch 1.000 Euro kommen.

Dies sollte jedem Bundesbürger zu denken geben. Kommt eine solche Forderung erst einmal auf, werden andere mit der gleichen Forderung folgen. Noch ist es „nur“ der Finanzminister von Nordrhein-Westfalen. Morgen aber könnten es schon der Bundesfinanzminister und das Bundeskabinett sein.