Bezahlsystem im Testlauf: Payback will das mobile Bezahlen erobern

Mobile Payment sei tot und habe nicht funktioniert, haben vermeintliche Experten vor ein paar Monaten noch gemeint. Doch nun schreiben wir Herbst 2014 und das mobile Bezahlen kommt langsam richtig in Fahrt. Kurz nachdem Apple seine digitale Geldbörse Apple Pay vorgestellt hat, macht das Kundenbonusprogramm Payback von sich reden. Das Unternehmen arbeitet derzeit an der Entwicklung einer M-Payment-Lösung für das Smartphone, wie die „Wirtschaftswoche“ Ende der vergangenen Woche exklusiv berichtet hat.

Test für den Bezahldienst läuft bereits

Noch ist nicht klar, wann das Bezahlsystem von Payback an den Start gehen wird. Inzwischen läuft jedoch ein Test des wohl bekanntesten Anbieters für Kundenbonusprogramme in Deutschland. Payback will sich offensichtlich nicht darauf verlassen, dass eines Tages nur andere ihre Mobile Payment-Lösungen an den Kassen ihrer Partnerunternehmen anbieten, sondern will selbst eine Lösung für das kontaktlose Bezahlen schaffen.#

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© Payback

Dies ist natürlich fast als eine Art kleiner Geniestreich zu bewerten. Bereits seit längerer Zeit bietet Payback eine eigene Kreditkarte (von VISA) sowie eine Karte des Mutterkonzerns American Express an und ist damit bereits in Sachen Zahlungsverkehr aktiv geworden. Ein eigenes Bezahlsystem ist daher nur der nächste, logische Schritt für das Unternehmen, das in Sachen Bonusprogramm mit vielen großen Händlern zusammenarbeitet.

Auf den Mehrwert kommt es an!

Gegenüber der „Wirtschaftswoche“ machte der Chef von Payback, Dominik Dommick deutlich:

„Mobile Payment schafft alleine nicht genug Mehrwert. Der Kunde hat erst etwas davon, wenn verschiedene Vorgänge digitalisiert werden: Vom Zeigen der Treue-Karte bis zum Bezahlen“. Genau hier kann dann das bekannte Kundenbonusprogramm greifen, was einem geschickten Schachzug gleichkommt.

Surftipp: Rund ums Mobile Payment und Mobile Payment-Anbieter

Mit Payback wird dann, nach Umsetzung,das mobile Bezahlen zu einem Erlebnis. Statt einfach nur mit dem Smartphone oder Ähnlichem kontaktlos zu bezahlen, können beim Einkaufen dann auch gleich noch die Treuepunkte gesammelt werden. Damit hat der Kunde des Bonusprogrammes, der sich auf die Mobile Payment-Lösung von Payback einlassen würde, gleich noch einen richtigen Mehrwert dazu. Dazu könnten weitere spezielle Bonuspunkte angeboten werden, wenn der Kunde direkt mit dem Smartphone bezahlt und so der Kauf mit Bargeld entfällt – was die Händler wiederum zeitlich und finanziell entlasten würde.

Payback ist Marktführer

Statistik: Was glauben Sie, welches der Bonusprogramme in Deutschland marktführend ist? | Statista
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Ein weiterer Vorteil wäre: Das lästige Zücken der Kundenkarte entfällt. Es muss vor der Shopping-Tour erst gar nicht mehr daran gedacht werden, sie einzupacken. Der Kunde hält dann sein Smartphone an den Terminal und mittels des Payback-Bezahlsystems werden ihm die Punkte automatisch gutgeschrieben und gleichzeitig der Einkauf bezahlt.

Die bekannte Plastikkarte wird in naher Zukunft wohl noch nicht durch das Smartphone ersetzt werden. Dommick gegenüber der „WiWo“ dazu: „Wir selbst könnten es technisch sofort anbieten, aber die meisten Kassen der Partnerunternehmen können noch keine Smartphones scannen.“

Außerdem stellt sich die Frage, ob sich das Bonusprogramm bestimmte Bonbons für die Unternehmen überlegt, die das Mobile Payment schnell umsetzen und das Bezahlen mit dem Smartphone bald möglich machen. Denn schließlich wird der Erfolg der M-Payment-Lösung von Payback vor allem davon abhängen, wie dieses bei den Partnerunternehmen genutzt und zugleich von diesen beworben werden wird.

Eine Lösung als Standard für alle?

Bislang hat das Mobile Payment noch zahlreiche Kinderkrankheiten. Das kontaktlose Bezahlen mit Smartphone und Co. ist ohne jede Frage sehr praktisch. Bislang aber konnten die Verbraucher in Deutschland von den Anbietern kaum erreicht werden. Dies hat mehrere Gründe.

  1. Die wachsende Zahl von Anbietern, die den Markt nun nach und nach erobern.
  2. Die Vielzahl der Systeme macht es für die Bundesbürger nicht einfacher das Mobile Bezahlen zu nutzen, sondern der fehlende Überblick macht es zunehmend schwerer für den Einzelnen, sich für eine Lösung zu entscheiden.

Nicht nur Apple Pay ist inzwischen als einer der großen Anbieter für Mobile Payment-Lösungen aktiv. Die Kreditkartenunternehmen

  • MasterCard und
  • VISA haben ihre eigenen Lösungen geschaffen.
  • Dazu kommen PayPal und Google, sowie zahlreiche andere, weniger große Unternehmen. Für die Verbraucher, für die das Mobile Bezahlen attraktiv gemacht werden soll, wird es immer schwieriger, dabei noch den Durchblick zu behalten.
  • Zugleich machen große Namen beim Mobile Payment nicht automatisch auch gleich gute Systeme.

Viel einfacher wäre es, zumindest aus Sicht der Verbraucher, ein großes System zu schaffen, das als Standard für alle dient, und mit dem alle Mobile Payment-Anbieter arbeiten. Doch davon entfernt sich der Markt immer weiter. Stattdessen wächst die Anzahl der M-Payment-Lösungen stetig an und es ist für Laien inzwischen nahezu unmöglich, sich noch einen Überblick über die angebotenen Systeme zu verschaffen.

Payback weiter auf der Erfolgsspur

Info

Das Kundenbonusprogramm von Payback ist nicht das einzige seiner Art in Deutschland. Dennoch versteht es sich darauf, immer mehr neue Nutzer anzusprechen und zu finden. Inzwischen kann das Unternehmen laut eigenen Angaben auf mehr als 24 Millionen Verbraucher verweisen, die aktive Nutzer sind. Laut Payback sind dies vier Millionen mehr als noch in 2013. Ein Grund hierfür dürfte unserer Ansicht nach sein, dass die Handelskette REWE seit einigen Monaten Partnerunternehmen des Bonusprogramms ist. Dies hat Payback vermutlich zahlreiche neue Kunden eingebracht, die vorab keine regelmäßigen Kunden der anderen Partnerunternehmen waren, die sich aber durch die Möglichkeit bei REWE angezogen fühlten, ebenfalls an diesem Kundenbonusprogramm teilzunehmen.

Durch die Erweiterung des Bonusprogramms um ein richtiges Bezahlsystem, mit dem auch kontaktloses Bezahlen ohne eine physische Kundenkarte möglich ist, könnte Payback, wenn es richtig umgesetzt wird, zahlreiche weitere potentielle Kunden anziehen. Das Kundenbonusprogramm dürfte damit auf dem richtigen Weg sein, hin zu einer noch wichtigeren Marke wie bisher hier in Deutschland. Was zugleich hinsichtlich der Werbung um neue Partnerunternehmen den Erfolg von Payback zusätzlich antreiben könnte.

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Die Kehrseite der Medaille

Doch jede Medaille hat zwei Seiten. Die zweite ist bei einem solchen Bezahldienst eines Kundenbonusprogramm-Anbieters mehr als deutlich zu erkennen. Es werden dabei die Kaufdaten und die Einkäufe mit dem Bonusprogramm mit den Bezahldaten kombiniert, die wiederum zu Werbezwecken verwendet werden können. Falls Payback diesem keinen Riegel vorschiebt.

Das bedeutet: Payback würde immer mehr Einblick in das Kaufverhalten wie zugleich das Zahlverhalten der Kunden bekommen. Es ist nicht zu erwarten, dass das Bonusprogramm selbst einen Nutzen daraus ziehen würde, der nichts mit dem Programm selbst zu tun hat. Aber immer, wenn es um das Mobile Payment geht, kann das Thema Hackerangriffe nicht unter den Teppich gekehrt werden.

Ob es deshalb so empfehlenswert ist, seine Einkäufe mit dem gleichen System zu bezahlen, das die Einkäufe speichert und das Einkaufsverhalten nachvollziehbar macht, ist die Frage. Letztlich können solche Daten, wenn man ganz weit greifen will, die Möglichkeit schaffen, Bewegungsprofile zu erstellen, die zugleich mit dem Zahlverhalten der Verbraucher sowie den Bank- oder Kreditkartendaten kombiniert werden können. Der Kunde könnte hier auf eine Weise zum gläsernen Menschen werden, wie es kaum wünschenswert sein kann. Für unsauber arbeitende Unternehmen wie für Hacker würde dies ein gleichermaßen lohnendes Ziel darstellen.

Hat Mobiles Bezahlen in Deutschland überhaupt Zukunft?

Infografik: Asien und Afrika zahlen mobil - Nutzerzahl von Mobile Payment  | Statista
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Genau dieser Punkt des gläsernen Menschen ist es aber, über den sich viele Bundesbürger Gedanken machen. Weshalb sich die Frage stellt, gibt es hierzulande überhaupt eine Zukunft für das Mobile Bezahlen? Oder wird das Mobile Payment eine von vielen Möglichkeiten des Bezahlens bleiben, aber nicht von der Masse der Verbraucher genutzt werden?

Fakt ist: Die Deutschen bezahlen nach wie vor am liebsten mit Bargeld. Zwar gibt es immer mehr Kreditkarten, doch das Papiergeld und Münzen haben für viele Bundesbürger nach wie vor Vorrang, wenn es um das Bezahlen der Einkäufe geht. Wie eine vor einigen Wochen von der US-Notenbank Federal Reserve veröffentlichte Studie zeigt, sind die Deutschen einfach nicht vom Bargeld loszubekommen. 82 Prozent der Bundesbürger zahlen demnach immer noch am liebsten mit Bargeld. 

Während in Skandinavien das Mobile Payment längst an der Tagesordnung ist, hinkt Deutschland immer noch hinterher. Die Skepsis und der Wunsch, den Überblick über die eigenen Finanzen zu bezahlten, haben hierzulande nach wie Vorrang nach Möglichkeiten des Bezahlens, die in ihrer Umsetzung schneller sind als Bargeld, wie zum Beispiel das Mobile Bezahlen via Smartphone und Co.

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