Verliert der Bitcoin seine Unabhängigkeit?

Der Bitcoin wurde einstmals entwickelt, um eine unabhängige – und unregulierte – Währung darzustellen. Mitten in die Finanzkrise hinein wurde die digitale Währung im Jahr 2009 geboren und fand, trotz aller Kritiker und Kritikpunkte den Weg zu einer breiten Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Nun aber ist genau das in Gefahr, was den Bitcoin einstmals am meisten ausgemacht hat: Seine Unabhängigkeit.

Kommt das Ende der dezentralen Struktur des Bitcoin?

„Der digitalen Währung Bitcoin droht der Verlust ihrer Glaubwürdigkeit, und zwar durch die Konzentration der für ihre Herstellung nötigen Rechnerleistung in einer Hand.“, schreibt das „Handelsblatt“ dazu. Inzwischen kam GHash auf eine Rechnerleistung der digitalen Währung von 50 Prozent. Dies war zwar nur kurzzeitig, aber immer noch verfügt der Verbund von Rechnern über fast die Hälfte der für die Herstellung des Bitcoin benötigten Rechnerleistung.

Damit könnte den Meldungen zufolge, auch Heise.de hat kürzlich über diese Problematik berichtet, sogar der Fluss der Bitcoin-Transaktionen gesteuert werden, zumindest theoretisch. Und es wäre möglich, sowohl andere aus dem Netzwerk auszusperren wie auch, und das wäre die drastischste aller Folgen: Alle Bitcoins, die in Zukunft geschürft werden, einfach zu behalten.

Deshalb werden nun die Forderungen laut, solche Pools, die Miner-Mehrheiten organisieren, zu verbieten. Wird dies nicht geschehen, droht nicht nur der Verlust der Glaubwürdigkeit des Bitcoin, sondern auch die bislang so wichtige (und damit unabhängige!) dezentrale Struktur des Systems der bekanntesten aller digitalen Währungen.

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Das Übel der Mining Pools

Nun können die Meinungen über Sinn und Unsinn, Vorteil und Nachteil solcher Mining Pools natürlich weit auseinandergehen, je nachdem, von welcher Seite aus man die Sache nun betrachtet. Bei solchen Mining Pools kommt es zu einem Zusammenschluss von Einzelrechnern, die dann zusammen die Bitcoins errechnen. Durch die Pools kommt es nach dem Berechnen, das heißt, Schürfen der Bitcoins zu einer Verteilung. Je nach Rechnerleistung erhält jeder der beteiligten Rechner bzw. Rechnerbetreiber dann seinen Anteil.

Einer dieser Mining Pools ist GHash, und steht nun heftig in der Kritik. Weil fast die Hälfte aller derzeitigen Rechnerleistung, um Bitcoins zu berechnen, in der Hand dieses Pools liegt. Und damit die bisher dezentrale Struktur stark aufgehoben und zumindest nahezu 50 Prozent zentralisiert wurden durch diesen großen Betreiberpool.

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Machtverhältnisse verschieben sich

Durch Mining Pools wie Ghash kommt es zugleich zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse in Sachen Bitcoin. Denn: neben dem reinen Schürfen der Bitcoins dienen die Miner (die zum Schürfen genutzten Rechner bzw. Pools) auch dazu, die wichtige Blockchain am Laufen zu halten. Die Blockchain ist die Datenbank, die dazu dient, alle Transaktionen mit dem Bitcoin zu registrieren.

Doch vor allem die mögliche Aufteilung der geschürften Bitcoins unter sich macht solche Mining Pools kritikwürdig und letztlich auch zur Gefahr für die Unabhängigkeit der digitalen Währung. Denn je mehr Rechner sich einem solchen Pool anschließen, desto mehr Bitcoins werden auch geschürft und dann nur unter den Rechnerbetreibern verteilt. Außenstehende haben dann immer weniger Chancen, Bitcoins zu schürfen, da auch diese Kryptowährung beschränkt und damit eben nicht unbegrenzt verfügbar ist.

Mehrheitskontrolle durch ein Mining Pool möglich

Je stärker GHash als Mining Pool wird, desto größer wird natürlich auch die Gefahr, dass der Rechnerverbund die Mehrheitskontrolle über den Bitcoin übernimmt. Zwar hat GHash längst erklärt, dass man nicht zulassen wolle, dass die Kontrolle derart groß wird. Dennoch sind die Meinungen wie auch Bedenken nach wie vor geteilt.

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Denn letztlich ist und wird GHash nicht der einzige Mining Pool bleiben, sondern auch andere Rechnerverbünde werden sich aufmachen, in gemeinsamer Leistung Bitcoins zu schürfen. Und wenn diese dann nichts gegen eine Mehrheit von über 50 Prozent machen, ist dem Missbrauch durch die Mehrheitskontrolle möglicherweise Tür und Tor geöffnet.

Dennoch stellt sich hier die Frage, ob ein Verbot solcher großen Verbünde wirklich im Sinne der Unabhängigkeit ist. Würde dies doch wiederum eine Form von Regulierung darstellen, die dem Grundgedanken des Bitcoin zuwider stehen würde. Damit zeigt sich, wie zweischneidig das Schwert ist, das zwischen Unabhängigkeit und Gefahr der Kontrolle steht.