Wenn der Bitcoin plötzlich nicht mehr Bitcoin heißen darf

Wir leben in einer Zeit, in der Markenrechte eine große Rolle spielen. Wird gegen diese Markenrechte verstoßen, kann es zu Verboten, Beschlagnahmen, Gerichtsverfahren, Bußgeldern etc. kommen. Für den, der ohne Berechtigung eine bestimmte Marke nutzt, kann dies dann eine teure Sache werden. Bislang kennen wir dies hauptsächlich von Firmennamen und Produktnamen, aber dass auch eine digitale Währung  wie der Bitcoin eine Marke ist und entsprechende Markenrechte bedeutet, dies wusste bis vor kurzem wohl kaum jemand.

Unternehmensholding hinter Mt.Gox hat Markenrechte auf Bitcoin

Der Bitcoin wurde im Jahr 2009 entwickelt, um eine unabhängige und damit zugleich nicht regulierte Währung abseits aller Finanzkrisen, Regierungen und Notenbanken zu schaffen. Doch wie das Leben in einer Wirtschaftswelt nun mal spielt: Nichts bleibt wirklich frei, vieles ist käuflich, so auch letztlich die Marke „Bitcoin“.

Der Macher (oder die Macherin?) des Bitcoin hätte sich wohl niemals ausgemalt, dass für die einst als freie Währung gedachte virtuelle Währung irgendwann der Punkt kommen könnte, an dem alle Freiheit begrenzt werden dürfte – durch die Ausübung der Markenrechte.

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Noch ist dies nicht so weit, aber es könnte in naher oder ferner Zukunft der Tag kommen, an dem der Markeninhaber des Bitcoin sagt: All die, welche die Bezeichnung Bitcoin nutzen, müssen für diese Nutzung Lizenzen erwerben und Geld bezahlen. Denn wie jetzt bekannt wurde, hält die Unternehmensholding hinter der insolventen Bitcoin-Börse Mt.Gox die Markenrechte auf den Bitcoin. Und will diese nun, Medienberichten zufolge, verkaufen.

Rechte in Japan und der EU

Tibanne, wie die Holding hinter Mt.Gox heißt, hält die „Bitcoin“-Rechte sowohl in Japan wie auch in der Europäischen Union. Und will jetzt, da die Bitcoin-Börse pleite ist und auch nicht mehr saniert werden kann, ihre im Jahr 2011 erworbenen Rechte an der Bezeichnung „Bitcoin“ verkaufen.

Zudem soll laut eines Berichts des WSJ, des „Wall Street Journal“, auch die Domain Bitcoins.com verkauft werden. Der erhoffte Erlös aus dem Domainverkauf und der gehaltenen Rechte an der Bezeichnung Bitcoin soll 100 Millionen Yen betragen. Umgerechnet wären dies aktuell etwa knapp 716.000 Euro.

Einstmals hatte Tibanne die Rechte an der Marke Bitcoin erworben, um nach eigenen Aussagen der Basis die Möglichkeit zu geben, von der kostenlosen Nutzung und der Weiterentwicklung des Bitcoin zu profitieren. Und dadurch zu verhindern, dass die Marke „Bitcoin“ aus Profitgier genutzt und damit Geld gemacht wird.

Durch die Anmeldung der Markenrechte in Japan und der Europäischen Union wollte Tibanne gewährleisten, dass der Begriff Bitcoin von jedermann frei verwendbar ist. Und dies egal ob für Non Profit-Bestrebungen oder den Handel mit dem Bitcoin.

Verliert der Bitcoin seine Freiheit?

Hehre Ziele waren es, die Tibanne damals verfolgte. Drei Jahre später sieht die Holding und damit der Rechteinhaber der Marke Bitcoin für Japan und die EU die Sache ganz anders. Jetzt geht es nicht mehr um Freiheit, jetzt geht es nur noch um eines: Geld.

Und dies könnte letztlich auch bedeuten: Wer den höchsten Preis zahlt für die Markenrechte am Bitcoin und die zusätzlich zu veräußernde Domain, der wird damit dann letztlich machen können, was er will. Dies könnte dazu führen, dass der Bitcoin in der Europäischen Union und in Japan seine Freiheit verliert und die Nutzer der Marke „Bitcoin“, wie bereits oben angeführt, plötzlich Lizenzgebühren bezahlen müssen.

Wie hoch diese sein könnten? Wer weiß das jetzt schon? Viel bitterer ist, dass der Bitcoin damit genau das verliert, für was er gestanden hat: Unabhängigkeit. Die Unschuld der frühen Jahres der digitalen Währung scheint damit langsam aber sich ganz vorüber zu sein. Nun geht es nur noch um das knallharte Geschäft mit dem Bitcoin.

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Von der Profitgier getrieben?

Denn das sich mit der bekanntesten aller virtuellen Währungen gut Geld verdienen lässt, hat sich vor allem zu den Boomzeiten des Bitcoin gezeigt. Bis vor einigen Monaten hatte es einen regelrechten Kaufrausch in Sachen BTC gegeben und der Kurs des Bitcoin stieg in immer schwindelerregendere Höhen. Dies zog natürlich immer mehr Anleger an, wie auch von Profitgier getriebene Individuen.

Demnach ist es zu befürchten, dass ein Verkauf der Markenrechte am „Bitcoin“ in die falschen Hände durchaus unschöne Folgen haben könnte, wenn es um die Freiheit des Bitcoin geht. Auch wenn Tibanne „nur“ die Rechte des Bitcoin in der EU und in Japan hält, so hätte dies doch erhebliche Folgen. Sind doch sowohl Japan wie auch die Europäische Union sehr wichtige Standorte von Finanzmärkten, die auch in Sachen Bitcoin eine wichtige Rolle spielen. Nicht ohne Grund wird Mt.Gox als einstmals weltgrößte Bitcoin-Börse die japanische Hauptstadt Tokio als ihren Unternehmenssitz gewählt haben.

Prognosen sind schwierig

Doch eine wirkliche Prognose zu treffen, wie es nach dem Verkauf der Markenrechte durch Tibanne weitergehen wird für den Bitcoin ist schwierig. Kaufen „Gutmenschen“ die Rechte an der Marke Bitcoin, werden diese möglicherweise im Geiste des Erfinders der digitalen Währung handeln.

Kaufen indes von Profitgier getriebene Personen die Rechte, könnten auf die EU und Japan zumindest hinsichtlich des Bitcoin schlechte Zeiten zukommen. Es bleibt damit nur abzuwarten, an wen Tibanne die Markenrechte veräußern wird. Wir werden auf jeden Fall an diesem vor allem auch für Anleger des Bitcoin sehr wichtigen Thema dranbleiben!