Kreditkartenanbieter VISA droht mit Russland-Rückzug

Seitdem Russlands Präsident Wladimir Putin eine eigene Kreditkarte für sein Land angekündigt hat, brodelt es im nordöstlichen Eurasien. Die Probleme waren entstanden, nachdem die US-Regierung im Zuge der Krim-Krise Sanktionen gegen einige russische Bürger ausgesprochen hatte und deren Kreditkarten dann gesperrt wurden. Putin hatte dies rasend gemacht, woraufhin er eine eigene russische Kreditkarte angekündigt hat.

Danach beruhigte sich die Lage ein wenig. Die beiden großen Kreditkartenanbieter, VISA und MasterCard wollten weiter im Land verbleiben, wegen des guten Geschäfts in Russland. Doch nun könnte sich dieses Bestreben bald ändern, wie wie russische Zeitung „Nowyje Iswestija“ berichtet, will VISA Russland nun möglicherweise doch den Rücken zukehren.

Kreditkartenanbieter sollen Kaution in Milliardenhöhe hinterlegen

Die Krise in der Ukraine und das russische Eingreifen hat schwere finanzielle Schäden für Putins Land mit sich gebracht. Auf der einen Seite gab es die Sanktionen selbst, die natürlich auch Folgen hatten bei Geschäften mit dem Ausland. Auf der andere Seite jedoch waren die finanziellen Folgen vor allem damit begründet, dass sich Investoren durch die unsichere Lage aus Russland zurückgezogen haben – und dem Land damit früher oder später die Luft ausgehen wird in wirtschaftlicher Hinsicht.

Deshalb überlegt man sich nun dort wohl das eine oder andere, wie man trotzdem einigermaßen flüssig bleibt und hat, auch ein Gesetz verabschiedet, dass den Kreditkartenanbietern in die Tasche greift. Wie die Duma, das Parlamentsunterhaus, beschlossen hat, sollen VISA, MasterCard und Co. dazu verpflichtet werden, ein Viertel ihres in Russland erzielten Tagesumsatzes als Kaution  bei der Notenbank zu hinterlegen.

Auf den ersten Blick mag dies natürlich weniger scharf als gedacht aussehen, doch VISA hat sich dazu geäußert, und dabei klargemacht, dass die zu hinterlegende Kaution von den 25 Prozent des Tagesumsatzes den Jahresgewinn, den man in Russland erzielt, um ein Vielfaches übersteigen würde.

Zahlreiche VISA-Kreditkarten im Vergleich

VISA zieht sich zurück – falls die Kaution hinterlegt werden muss

Falls es dazu kommen sollte, dass die Kaution bei der Bank Rossii, der Russischen Zentralbank, hinterlegt werden muss, will VISA den Rückzug verkünden und den russischen Markt hinter sich lassen. Dies machte Visa-Generaldirektor Charles Scharf auf einer Bostoner Konferenz deutlich.

„Ich hoffe allerdings, dass wir eine andere Vereinbarung treffen, ohne den 1. Juli abzuwarten und dann unseren Rückzug zu verkünden“, wird Scharf entsprechend auf der Internetseite des Radiosenders „Stimme Russland“ zitiert.

Russland glaubt nicht an Rückzug der Kreditkartenanbieter

Für Russland selbst scheint die Ankündigung von VISA nur aus leeren Worten zu bestehen. Während sich auch MasterCard in Gesprächen mit den russischen Entscheidern befindet, geht man im Land selbst wohl davon aus, dass es sich bei den Androhungen des Kreditkartenanbieters VISA nur darum handele, mit dem Behörden zu feilschen. Und wirft ein, dass das entsprechende Gesetze bereits novelliert wurde und Feilschen nichts bringt. An einen Rückzug von MasterCard und VISA glaubt man deshalb nicht. Und verweist auf die große Verbreitung von Kreditkarten in Russland.

Auch Oleg Grischin, der Vorstandschef des russischen Zahlungssystems Rapida, glaubt nicht daran, dass sich die beiden Kreditkartenanbieter vom russischen Markt zurückziehen werden. Sei doch laut seiner Aussage der Markt in Russland strategisch wichtig für die internationalen Zahlungssysteme.

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Rückzug hätte massive finanzielle Folgen – für beide Seiten

Doch so wirklich einfach zu stemmen wäre die ganze Sache für beide Seiten nicht, sollten sich VISA und MasterCard tatsächlich aus Russland zurückziehen. Während die beiden Anbieter von Kreditkarten dann natürlich auf ein lukratives Geschäft verzichten müssten, immerhin sind in Russland inzwischen über 200 Millionen Kreditkarten im Umlauf und die Zahl der Transaktionen mit den Plastikkarten hat sich binnen fünf Jahren verfünffacht, würden die russischen Bürger Probleme beim Bezahlen bekommen.

Im Ausland wäre es ihnen dann nicht mehr möglich, mit einer Kreditkarte zu zahlen, selbst wenn Russland ein eigenes Kreditkartensystem einführen würde, sondern die Zahlungen müssten mit Bargeld erfolgen. Dies würde aber bedeuten, dass in Russland sehr viel mehr Bargeld zur Verfügung stehen müsste als es im Moment der Fall ist. Und nicht nur russische Rubel wären dann in Massen in gedrucktem Papiergeld nötig, sondern gerade auch die Auslandsdevisen wie US Dollar und Euro.

Letztlich riecht dies nach einer Patt-Situation für beide Seiten. Beide hätten mit den finanziellen Folgen eines Rückzugs aus Russland zu kämpfen, zugleich aber steht für beide Seiten viel auf dem Spiel. Lassen sich VISA und MasterCard nun plötzlich doch auf die hohen Kautionszahlungen an die Russische Zentralbank ein, droht ihnen natürlich auch ein Verlust von Ansehen in der westlichen Welt. Letztlich würden sich damit zwei Unternehmen aus einem Land, in dem die Freie Marktwirtschaft regiert, in die Knechtschaft eines Landes begeben, in dem die Wirtschaft und die Finanzwelt trotz des Bildes nach außen hin, unter der Fuchtel des Staates steht.

Und so einfach gehen lassen wird man MasterCard und VISA in Russland nicht können. Denn wie auch der Finanzminister des Landes, Anton Siluanow, mittlerweile eingestanden hat, haben mehr als 90 Prozent der russischen Nutzer Kreditkarten von den beiden genannten Anbietern. Damit könne das Land unmöglich auf die beiden großen Kreditkartenanbieter verzichten.

Welche ist nun die bessere Kreditkarte? VISA oder MasterCard?

Fällt die russische Kreditkarte nun doch unter den Tisch?

Doch was ist nun eigentlich mit der von Russlands Präsidenten Putin so vollmundig angekündigten eigenen Kreditkarte für das Land? Diese scheint inzwischen nicht mehr wirklich ein Thema zu sein, wohl auch angesichts des großen Anteils, den die Kreditkarten von VISA und MasterCard am gesamten Markt haben.

Demnach würde das neue Gesetz hinsichtlich eines neuen russischen Zahlungssystems natürlich noch mehr Sinn machen. Bekommt man so doch eine Menge Geld auf einmal in die Kassen der Zentralbank gespült, ohne auch nur einen Finger krumm machen zu müssen. Und muss auf der anderen Seite den großen Worten eben doch keine Taten folgen lassen, sondern kann weiter von den großen US-amerikanischen Kreditkartenanbietern profitieren.