Digitale Kryptowährungen

Bitcoin und Co. – modern aber noch lange nicht etabliert

binary code tube fine 3d imageKryptowährungen sind jung, teils verspielt, zugleich milliardenschwer und kaum noch zu bremsen. Urgestein und Platzhirsch ist der Bitcoin. Die digitale Währung gab den Startschuss für eine neue Ära des Zahlungsverkehrs und hat sich in Windeseile rund um den Globus ausgebreitet. Idee: keine Banken, keine staatliche Einmischung. Das kommt bei vielen Nutzern an, weckt Begierden, macht neugierig und ruft selbstredend auch Kritiker auf den Plan. Während auf der einen Seite die Vorzüge gepredigt werden und nach und nach ein kompletter Wirtschaftszweig entsteht, sehen Zweifler die Grundfeste des Finanzsystems gefährdet. Obwohl noch keine fünf Jahre auf dem Buckel, sorgen Kryptowährungen also für reichlich Gesprächsstoff. Und da es ums liebe Geld geht, wird die Debatte noch lange anhalten.

Aktuelles zur Bekanntheit von Internetwährungen

Die Bekanntheit von Internet- und Kryptowährungen steigt kontinuierlich. So ergab eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom folgendes:

  • 36 Prozent der Befragten haben schon einmal von Bitcoins gehört
  • 43 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich virtuelle Währungen und Zahlungstechnologien weiterentwickeln werden
  • 52 Prozent der Befragten können sich vorstellen, Internetwährungen beim Onlineshopping einzusetzen
  • 20 Prozent der Befragten können sich die Nutzung von Internetwährungen  für Auslandsüberweisungen, Flugbuchungen und ähnliches vorstellen

Die Befragung ergab aber auch, dass die Sicherheit von digitaler Währungen noch kritisch gesehen wird:

  • 42 Prozent der Befragten gaben an, sich um ihre privaten Daten Sorgen zu machen und
  • 62 Prozent der Befragten befürchten Angriffe durch Hacker oder Viren auf ihre digitalen Geldbörsen

Anzahl der Kryptowährungen


822 Kryptowährungen führt das Portal Coinmarketcap.com derzeit auf. Die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen beläuft sich dabei auf etwas mehr als 41 Milliarden US-Dollar. Davon entfallen mit 24,6 Milliarden US-Dollar rund 60 Prozent auf Bitcoin (Stand: 04.05.2017).

Die Geschichte digitaler Währung

Das Konzept hinter den digitalen Währungen stammt aus dem Jahr 1998. Wei Dai formulierte den Grundgedanken und machte sie über die Cyberpunk Mailingliste publik. Bis die Idee umgesetzt wurde, vergingen zehn Jahre. Aufgegriffen hat sie Satoshi Nakamato – ob es sich hierbei um eine Person oder eine Gruppe handelt, ist bis heute nicht wirklich geklärt. Er veröffentlichte 2008 das Werk „Peer-to-Peer Electronic Cash System“ über ein Bezahlsystem, das von Person zu Person funktioniert, ohne dass eine Autorität wie eine Bank zwischengeschaltet wird. Das Ergebnis war das auf Kryptographie basierende Bitcoin-Protokoll. Am 3. Januar 2009 war es dann schließlich soweit: Die ersten Bitcoins erblickten das Licht der Welt und wurden auf elektronischem Wege „geschürft“.

Dass ausgerechnet in der Zeit der Finanzkrise eine neue, ausschließlich digitale Währung aus der Taufe gehoben wurde, kommt sicher nicht von ungefähr. Das Vertrauen in den Finanzsektor war tief erschüttert. Banken hatten und haben auch heute noch einen schweren Stand. Da ist eine Währung, bei der Banken ihre Finger nicht im Spiel haben, keine Gebühren berechnen, nicht spekulieren und sich nicht auf Kosten der Kunden bereichern, gewissermaßen ein Lichtblick.

Die Funktionsweise von Kryptowährungen

Doch wie funktioniert eine solche Kryptowährung überhaupt? Wurden von heute auf morgen neue Banknoten gedruckt? Mitnichten. Kryptowährungen existieren rein digital als Datei, wenngleich zeitweise Bitcoin-Münzen angeboten wurden. Statt Euro und Cent ins Portemonnaie zu stecken, kommen Bitcoin und Co. in eine digitale Geldbörse (Wallet). Um es am Beispiel Bitcoin zu erklären:

Funktionsweise von Kryptowährungen am Beispiel Bitcoin

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Ein entsprechendes Online-Konto kann jeder binnen Minuten einrichten, ohne einen Namen oder eine Adresse nennen zu müssen. Basis sind ein öffentlicher und ein privater Schlüssel. Damit wird man automatisch Teil des Netzwerks. Der öffentliche Schlüssel wird benötigt, um Transaktionen zuweisen und prüfen zu können. Das System gleicht ab, ob die Bitcoins auch tatsächlich dem gehören, der sie an einen anderen Nutzen schickt. Die Buchung wird in einem öffentlichen und damit für jedermann einsehbaren Buchungssystem hinterlegt. Mit dem privaten Datenschüssel wird der Vorgang signiert. Damit soll verhindert werden, dass auf dem Weg von A nach B Änderungen vorgenommen werden. Die Bestätigung einer Transaktion über das Netzwerk dauert bei Bitcoin aktuell knapp zehn Minuten.

Schürfen statt Drucken

Da Kryptowährungen nicht gedruckt werden, müssen sie anderweitig „entstehen“. Im Fall von Bitcoin und vielen anderen digitalen Währungen wird nach den Einheiten gesucht respektive geschürft (Mining). Wer die virtuelle „Hacke“ schwingen möchte, muss kryptographische Aufgaben lösen. Als „Belohnung“ für das richtige Ergebnis gibt das System Bitcoins aus. Anfangs waren die Aufgaben noch deutlich leichter. Heute bedarf es weit mehr Rechenpower, um Erfolg zu haben. Nutzer können dazu Pools bilden, um schneller ans Ziel zu kommen. Teils wird auch in Grauzonen agiert, indem die Mining-Funktion zum Beispiel in kostenlosen Applikationen für Smartphones und Tablet-Pcs versteckt wird. Neuere Kryptowährungen haben das System überarbeitet, damit jeder eine Chance hat und nicht nur die Rechnerleistung zählt. Die Vergabe der Einheiten erfolgt dann mitunter nach dem Zufallsprinzip.

Börsen für digitale Währungen

Eine andere Option, um in den Besitz von digitalen Währungseinheiten zu gelangen, ist der Kauf. Für diese Zwecke haben sich Börsen etabliert. Hier muss man sich anmelden und in der Regel auch ein „echtes“ Bankkonto zur Legitimation angeben. Damit erhält die eigentlich gewünschte Anonymität einen leichten Knacks. Alternativ gibt es – allerdings nicht flächendeckend, sondern eher punktuell in wenigen Großstädten – Automaten, die Euro oder andere Währungen in Bitcoin tauschen. Oder man fragt Bekannte und Freunde nach den Kryptowährungen und einigt sich direkt über den Preis.

Mengenbegrenzung und Kursschwankungen

Die Geldmenge, die in Umlauf gebracht wird, ist bei Kryptowährungen zumeist klar umrissen. Bei Bitcoins liegt die Obergrenze bei 21 Millionen. Bis November 2012 wurden 10,5 Millionen Bitcoins ausgegeben.  Diese Zahl halbiert sich alle vier Jahre. Bis 2016 kommen demnach 5,25 Millionen Bitcoins hinzu. Die Begrenzung ist erforderlich, weil ansonsten eine inflationäre Streuung drohen würde.

Der Wert einer einzelnen Einheit, wobei Bitcoins mit acht Nachkommastellen arbeiten, ergibt sich einzig und allein aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Da die Nachfrage in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist, haben Bitcoins stark an Wert gewonnen. Die Gefahr dabei: Da es sich um einen überschaubaren Markt handelt, schlägt das Pendel selbst bei einem noch so leichten Windhauch extrem stark aus. Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt liegen nah beieinander.

Infografik: Top 10 der Kryptowährungen | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Hunderte Währungen

Der Stein, den Bitcoin ins Rollen gebracht hat, wird dadurch jedoch nicht gebremst. Er wird immer größer und nimmt weiter an Fahrt auf. Beinahe täglich müssen Übersichten um neue Kryptowährungen ergänzt werden. Hier die wichtigsten digitalen Währungen:

Name Start Neue Blöcke (Minutentakt) Geldmenge
Bitcoin 03.01.09 10 Minuten 21 Millionen
Namecoin 18.04.11 10 Minuten 21 Millionen
Litcoin 01.10.11 2,5 Minuten 84 Millionen
Dogecoin 01.12.13 1 Minute 99 Milliarden
PPCoin 01.08.12 10 Minuten  
Peercoin 01.08.12 10 Minuten 20,9 Millionen
QuarkCoin 01.07.13 30 Sekunden 246 Millionen
Primecoin 01.07.13 1 Minute  
NovaCoin 01.10.12 2 bis zehn Minuten  
Feathercoin 01.04.13 2,5 Minuten 26 Millionen
Zetacoin 01.08.13 30 Sekunden 158 Millionen
Digitalcoin 01.05.13 20 Sekunden 200 Millionen
Stablecoin 01.06.13 40 Sekunden 250 Millionen
Infintecoin 01.06.13 30 Sekunden 9,06 * 10^18
Megacoin 01.05.13 2,5 Minuten 42 Millionen
Shillingcoin 01.01.14 10 Minuten 21 Millionen

Insgesamt gibt es weit mehr Anbieter. Hier finden Sie eine Übersicht

Risiken

Die Liste mit Kryptowährungen wird ständig länger. Jeder hat die Möglichkeit, seine eigene Währung zu platzieren. Die dafür nötigen Tools stehen online zur Verfügung. Wenn nun jeder Hinz und Kunz mit Coins um sich wirft, wird es langsam aber sicher unübersichtlich. Genau da liegt eines der Probleme. Die Akzeptanz leidet, wenn man heute nicht weiß, ob die jeweilige Währung morgen überhaupt noch „en vogue“ ist oder sich die Mehrheit der Nutzer doch für eine andere Lösung entscheidet. Es bedarf schon eines gewissen Standards, damit Kryptowährung dauerhaft zum Gold des Internets oder zum Geld der Zukunft werden.

Das weitaus größere Risiko sind allerdings die Kursschwankungen. Das gesamte Kapital in eine Kryptowährung zu wechseln, um von Banken unabhängig zu sein, kann gewaltig in die Hose gehen. Dann bleiben von 1.000 Euro vielleicht noch zwei Euro über, wenn die Währung nicht mehr gefragt ist. Oder die Börse, an der man aktiv ist, meldet Insolvenz an. Bestes Beispiel ist MT. Gox. Dann bleibt gar nichts über oder nur ein Bruchteil dessen, was man einst besessen hat. Hinzu kommen die Gefahren, die von Hackern drohen. Sie haben es bereits geschafft, ein Bitcoin-Konto zu knacken. Um es auf den Punkt zu bringen: Abgesehen von der Verschlüsselung gibt es keinen Sicherheitsanker. Geht eine Bank den Bach runter, greifen zumindest in Europa Einlagensicherungsfonds.

Chancen

Die Risiken dürfen die Chancen allerdings nicht komplett in den Schatten stellen. Denn Kryptowährungen haben durchaus etwas für sich. Digitale Währungen, die nur als Dateien existieren, sind für den Onlinehandel prädestiniert. Vor Ort beim Bäcker oder in der Kneipe werden Bitcoin, Litecoin und alle anderen Kryptowährung es vermutlich schwer haben – nicht nur jetzt, sondern auch in naher Zukunft. Für Versandhändler öffnet sich hingegen eine völlig neue Tür. Banken und Kreditkartenunternehmen halten ihre Hände für jede Transaktion auf. Das schmälert den Gewinn. Bei Kryptowährungen fallen in der Regel keine Gebühren an. Hier liegt die große Chance, wenn sich der Markt nicht in zu vielen Währungen verzettelt. Denn kein Händler wird Dutzende Optionen zur Auswahl stellen, um dann an einer Börse Coins in Bares zu wechseln. Zudem muss der Staat mitspielen. Denn auch Gewinne, die nicht in Euro, sondern in Bitcoins erzielt werden, unterliegen der Steuerpflicht.

Fazit

So viel und so intensiv über Kryptowährungen diskutiert wird, hat man den Eindruck, es handle sich um ein altbewährtes und schon lange am Markt etabliertes Konzept. Dabei steckt das gesamte System noch in den Kinderschuhen. Neue digitale Währungen feilen immer weiter an den Schwachstellen ihrer Vorgänger. Sei es an der Verteilung der Einheiten oder dem enormen Stromverbrauch durch das Schürfen. Ob neu dann auch besser ist, muss sich zeigen.

Aktuell dreht sich fast alles nur um Bitcoins, auch wenn die Alternativen immer weiter nach vorne drängen. Dabei stehen vorerst noch Spekulation und Gewinnstreben im Vordergrund, weniger der Grundgedanke, Banken das Wasser abzugraben. Ganz übernehmen werden die Kryptowährungen den Geldmarkt wohl nie. Menschen sehen nicht nur gerne, was sie haben. Sie möchten es auch in die Hand nehmen. In dem Sinn können 20 Bitcoin auf dem Display des Smartphones mit einem Bündel Euro nur bedingt konkurrieren.

Hier eine Übersicht weiterer Kryptowährungen (Stand Ende März 2014), ohne jede Gewähr auf Vollständigkeit:

Bitcoin, Litecoin, Peercoin, DogeCoin, Shillingcoin (SHI), Auroracoin, Nxt, Mastercoin, Quarkcoin, Feathercoin, Novacoin, VertCoin, Darkcoin, InfiniteCoin, WorldCoin, MegaCoin, Mintcoin, SpainCoin, Devcoin, ZetaCoin, AnonCoin, MoonCoin, Dimecoin, Terracoin, IXCoin, Particle, Digitalcoin, Freicoin, Reddcoin, Unobtanium, Kittehcoin, CryptogenicBullion, HoboNickels, Mazacoin, BitBar, Execoin, Leafcoin, BBQCoin, Karmacoin, Netcoin, Sexcoin, Extremecoin, Flappycoin, ASC, LottoCoin, Yacoin, EarthCoin, Gamecoins, ElaCoin, Bytecoin, NobleCoin, KlondikeCoin, Argentum, Diamond, Junkcoin, LuckyCoin, Nyancoin, Teacoin, RonPaulCoin, CHNCoin, JouleCoin, Piggycoin, QQcoin, KrugerCoin, COIN, RoyalCoin, AstroCoin, Smartcoin, eToken, PWC, AlphaCoin, FrankoCoin Namecoin, AmericanCoin, Bitgem, Cosmoscoin, CraftCoin, CasinoCoin, Emerald, FastCoin, GrandCoin, Gilcoin, Globalcoin, Galaxycoin, Hypercoin, Lebowskis, Mincoin, NanoToken, Nibble, NoirBits, PhenixCoin, StableCoin, Spots, StarCoin, PrimeCoin, YBCoin, Doubloons, EZCoin, FlorinCoin, GoldCoin, MemeCoin, MasterCoin, XenCoin, Android Token, MCX, CopperLark, ColossusCoin, TagCoin, ALP, BET, BUK, CAP, Cloudcoin, Pennies, CIN, CopperBars, Deutsche eMark, DSC, Datacoin, ELP, GRW, I0C, ISK, LK7, NEC, NIB, Networkcoin, Orbitcoin, PhilosopherStone, PeopleCoin, ProtoShares, PayCoin, Richcoin, RealCoin, RedCoin, SAV, SC, SLL, SecureCoin, TEK, Tickets, UFC, ZcCoin, CryptsyPoints, NYM, OSC, BillionCoin, BeaoCoin, CatCoin, FireFlyCoin, Frozen, Lovecoin, Incakoin, Tigercoin, Fedoracoin, BCX, OnlineGamingCoin, Xivra, Cagecoin, Velocitycoin, Graincoin, FourtyTwoCoin ,BFC, Bountycoin, FRE, BTR, MemoryCoin, TeslaCoin, XRP, Blakecoin, PixelCoin, Cash, mcxBUX, DigiByte, Continuumcoin, Maxcoin, CON, ICN, Reddcoin, RPD, Unitary Status Dollar eCoin, UltraCoin, Myriad, SKC, ATP, PAND, PENG, CACHeCoin, CNOTE, FOX, FRQ, Globe, Huntercoin, MRC, MTC, OLY, PMC, PRC, Q2C, Riecoin, SOC, WIKI, Counterparty, ANT, FRY, Gridcoin, STC, TTC, UNI, Zedcoin, BTQ, MTS, PHO, MIM, CGA, WOLF, MED, DUCK, FSC, RUBY, VEN, PCC, BEN, SVC, HKC, Suncoin, PI, SYN, BC, BLK, KRN, IQD, ZEIT, ALB, NRS, HVC, GRUMP, LDC, YIN, PANDA, MVC, Takcoin, C2, YANG, GPUC, GPU, LGBT, POT, AIR, TRL, EMC2, Electronic Benefit Transfer, RQC, APP, GHC, SAT, APH, DIEM, HPC, BELI, BTCS, EMO, PT, GAC, HIC, BLTZ, PLNC, SLOTH, Topcoin, FLT, SLR, AAA, GNS, MRS, BEA, IPC, HIRO, 888, EFL, GRCE, PAWN, XSV, BAT, Popular Coin, NYC, DOPE, BELA, LYC, CESC, FRX, 365, GER, ECC, RT2, FAIL, MPL, SHA, BONES, PTC, FAC, SHC, PLC ,DMC, PND, RBBT, SRR, BTL, BNS, CARB, YACC, BEL, PCN, ANI, DOUG, LPC, LTB, O2O, PWNY, SPH, STA, UN, VGC, VOLT, XDC, POC, ISR, H2O, RAIN, WATER, GRS, CorgiCoin.

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